Umsetzung in die Praxis:

Übertragen auf das therapeutische Arbeiten mit dem Pferd bedeutet das für mich:

Ziel: Der Mensch soll möglichst selbstständig mit dem Pferd umgehen und reiten können und dabei sich seiner selbst und seines Körper immer mehr bewußt werden.

Mittel:

Im Umgang mit den Menschen:

Im Umgang mit den Pferden:

Voraussetzungen:

Ich beschränke meine Therapie nicht auf das Reiten, sondern bringe jedem nach seinen Möglichkeiten alles bei, was für den sicheren und artgerechten Umgang mit dem Pferd notwendig ist. Auch das heißt für mich ganzheitlich.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ich inhaltlich non-direktiv arbeiten. Die Menschen, mit denen ich arbeite, bestimmen selbst was heute gemacht wird, holen selbst ihr Pferd, putzen es und ziehen es an. Ich kann die jeweilige Eigeninitiative aufgreifen, habe Raum und Zeit überhaupt ersteinmal nach eigenen Impulsen meiner Klienten zu forschen. Ich kann aber auch einfach nur in Ruhe lassen und die Interaktion zwischen Pferd und Mensch wirken lassen. Natürlich kann ich Angebote machen und ermutigen, bei manchen ist vielleicht sogar ein direktives Vorgehen das Mittel der Wahl. Aber ohne die Alternative des non-direktiven Vorgehens werde ich der eigenen Entwicklung eines Menschen möglicherweise im Wege stehen und ihn nicht so optimal fördern wie es machbar und nötig wäre. Und - was ich absolut wesentlich finde - ich würde nicht herausfinden, wielange mein Klient an diesem einen von ihm gerade auserkorenen Entwicklungsschritt arbeiten muß. Denn beim direktiven Vorgehen habe ich ja auch einen Zeitplan einzuhalten und muß mit feststehenden Maßstäben messen.

Ich lasse also nicht die Art meines Vorgehens in didaktischer und methodischer Hinsicht von meinem Lernziel her bestimmen. Ich lasse nicht durch zielorientierte Aufgabenstellung eine "richtige" Lösung erarbeiten. Ich folge dem Menschen dorthin, wo er ist, mit seinen Gedanken, Gefühlen und persönlichen Werturteilen. Indem ich ihn ernst nehme und erkläre, was ich von ihm verstanden habe, ermutige ich ihn, selbst zu denken und weiterzudenken und den eigenen Empfindungen zu trauen. Dabei stelle ich mich selbst nicht als die Überpädagogin dar, sondern offenbare meine Schwächen ebenso wie meine Grenzen. Dadurch bin ich glaubwürdig und authentisch und kann meine eigene Überforderung oft vermeiden, manchmal auch einfach eingestehen und zulassen.

Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich noch auf Maria Montessori verweisen.

" Unsere Aufgabe als Erzieher ist es nicht, unsere Kinder zu formen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu offenbaren."

 

Kinder

sehe ich demgemäß als neugierige, aktive, selbsttätige Wesen, die durch eigene Erfahrungen und unbeirrbares Tätigsein, Schwierigkeiten meistern und Unabhängigkeit und Selbständigkeit entwickeln. Ich behandele sie nicht wie unselbständige, hilfebedürftige Wesen, die in ihrer Entwicklung gesteuert, gelenkt und beeinflußt werden müssen.

 

Auf der Seite www. lernen-mit-tieren.de fand ich das folgende Zitat, daß die Sache noch viel besser trifft:

 

Der junge Mensch braucht seinesgleichen
- nämlich Tiere,
überhaupt Elementares, Wasser,
Dreck, Gebüsche, Spielraum.


Man kann Ihn auch ohne das alles aufwachsen lassen,
mit Teppichen, Stofftieren
oder auch auf asphaltierten Straßen und Höfen.

Er überlebt es,
doch man soll sich dann nicht wundern,
wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt.

Alexander Mitscherlich