Die Menschen und die Tiere

Zur Zeit sind wir zwei Menschen, sechs wunderbare, überaus gelassene und menschenfreundliche Pferde und zwei kuschelige, menschenliebende und überaus arbeitsfreudige Australian Shepards.

Neben den beiden Katzen Tigerle und Itchibud, gibt sich die freche Katze Mirabelle die Ehre. Eigentlich ist sie gar keine Katze, sondern ein bis jetzt noch nicht da gewesenes Therapietier einer noch unbekannten Art.

Henne Carlotta nebst ihren Nachkommen und Kolleginnen, sowie die dazugehörigen
stolzen Hähne und einige Enten, sowie die Kaninchen und ein ganzes Rudel Meerschweine treiben sich am Pferdestall herum und begeistern uns immer wieder, in
dem sie einfach eine tolle Atmosphäre verbreiten. Wenn man genügend Geduld
aufbringt, lassen sich diese illustren Damen und Herren auch aus der Hand füttern.
Bald werden wieder Hühner- und Entenküken schlüpfen, die so puschelig und
süß sind, dass man sie am liebsten knuddeln möchte.

Böckchen, der zahme weiße deutsche Edelziegenbock, stinkt nicht und ist ein ganz ruhiger Vertreter. Seinen wilden, frechen Kollegen Beatle Joe musste ich schweren Herzens einschläfern lassen, da er unter Blasensteinen litt. Mehr als würdig wird er jetzt vertreten von Klesche, dem frechsten Ziegenbock, den wir je kennen gelernt haben. Er springt aus dem Stand mühelos 1,20m. Er kostet uns ne ganze Menge Nerven, wicklet uns aber mit seinem süßen Silberblick immer wieder um den Finger.
Zum tierischen SchnuppStrupp Team gehörte außerdem Lieselotte, eine zahme Galloway
Kuh. Leider waren unsere Vereinbarungen bzgl. dieser äußerst begabten Kuh mal
wieder nicht schriftlich gemacht, also fristet sie jetzt wieder ihr langweiliges
Dasein auf riesigen Weiden, ohne jeglichen menschlichen Kontakt.
Es
ist faszinierend, zu beobachten wie friedlich, aber interessiert aneinander diese so
verschiedenartigen Tiere ihren großen Lebensraum miteinander teilen und
miteinander umgehen.
Die Frauen

Ich,
Marion Diekel, geboren im Februar 1960, lebte und arbeitete nach meiner Ausbildung als
Juristin ab 1990 zunächst in einer kleinen therapeutischen Pflegestelle
auf einem Bauernhofprojekt der Hamburger Behörde
für Gesundheit und Soziales mit sieben schwermehrfachbehinderten Menschen
zusammen.
Zu der Zeit hatte ich zwar schon seit 19 Jahren ein eigenes Pferd, aber
eigentlich keine Ahnung davon. Dann aber lernte ich das therapeutische Reiten,
die Reken-Reitweise, Linda Tellington-Jones und damit eine für mich ganz neue,
wunderbare Pferdewelt kennen. Alsbald begann ich mit der berufsbegleitenden Ausbildung für das heilpädagogische Reiten
und Arbeiten mit dem Pferd beim Förderkreis für therapeutisches Reiten
e.V.. Nach vierjähriger Ausbildung und verschiedenen pädagogischen
und reiterlichen Weiterbildungen, sowie ständiger Praxis in Voltigieren,
Freizeitreiten und Reittherapie im Voltigier- und Reitzentrum Schöppingen e.V.
legte ich im Dezember 1994 die Prüfung zur Reittherapeutin mit dem Schwerpunkt
heilpädagogisches Reiten und Arbeiten mit dem Pferd ab.
1995 erwarb ich beim Behindertensportverband NRW die Lizenz als Fachübungsleiterin
für Rehabilitationssport in den Fachrichtungen MCD, Psychische Erkrankungen,
geistige Behinderungen und Mehrfachbehinderungen.
Seit 1996 bin ich Ausbilderin für ReittherapeutInnen beim Förderkreis für Therapeutisches Reiten e.V.
und seit 1999 Übungsleiterin für Gelände- und Wanderreiten bei der Vereinigung
der Freizeitreiter Deutschlands (VFD).
Von 1994 bis Ende2004 erwarb ich als selbständige
Reittherapeutin mein und das Brot der Pferde auf einem kleinen Hof im
Münsterland. Ich warf - als der Mietvertrag dort endete - das Handtuch ins Münsterland
und die Flinte in den Mais. Voller Hoffnung und guter Ideen wanderte ich aus in die Mitte
Deutschlands, wo ich jetzt - 2009 - endlich meinen Traumhof gefunden habe.
Im Juni 2006 beendete ich eine weitere Ausbildung für tiergestützte Pädagogik
und Therapie beim Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark.
Damit erfüllte ich mir einen Traum, denn nun habe ich genügend
Hintergrundwissen und Sicherheit, auch meine anderen Tiere im Rahmen
tiergestützter Fördermaßnahmen in meine Arbeit mit Menschen einzubeziehen.
Zusätzlich habe ich
mit dem Studium der sozialen Arbeit in
Fulda begonnen. Endlich habe ich mit Stephanie Papendieck eine junge, mutige
Kollegin gefunden, die ab jetzt mit frischer Kraft und viel guter Laune das
Angebot unseres Little SchnuppStrupp bereichert.
Ich,
Stephanie Papendieck, habe im Januar 1984 das Licht der Welt erblickt. Nach dem
Abitur beschloss ich, ein Soziales Jahr in Frankreich zu absolvieren. In der
wunderschönen Normandie habe ich zehn Monate mit psychisch und physisch
behinderten Erwachsenen im Bereich des heilpädagogischen Reitens und der
tiergestützten Therapie zusammengearbeitet. Aufgrund meiner Freude an der
Arbeit mit Tieren und Menschen habe ich mich im Anschluss an mein Soziales Jahr
entschieden, dies zu meinem zukünftigen Beruf zu machen. Um mir eine
pädagogische Basis zu schaffen, begann ich 2004 an der Hochschule Fulda
mein Studium der Sozialpädagogik, welches ich im Sommer 2008 erfolgreich
abgeschlossen habe.
Seit April 2007 arbeite ich als Praktikantin auf Hof SchnuppStrupp mit und habe
in dieser Zeit meine Kenntnisse und Fertigkeiten hinsichtlich des
heilpädagogischen Reitens und Arbeitens mit dem Pferd und anderer
tiergestützten Fördermaßnahmen erweitern und vertiefen können. In dieser
Zeit habe ich in den bestehenden Reitstunden mitgeholfen, diese teilweise selber
angeleitet und in den Ferienfreizeiten als Betreuerin und Reitlehrerin
mitgewirkt.
Im Rahmen meines Anerkennungsjahres, welches ich in den kommenden zwölf Monaten
auf Hof SchnuppStrupp ableisten werde, möchte ich nun auch eigene Reitstunden
und Projekte begründen. Zudem werde ich im November 2008 meine Ausbildung zur
Reittherapeutin beginnen, um auch im Bereich des therapeutischen und
heilpädagogischen Reitens und Arbeitens mit dem Pferd eine grundständige
Ausbildung zu erlangen.
Neben meiner Arbeit auf Hof SchnuppStrupp bin ich als Betreuerin in einer
Mädchenwohngruppe der Violeta gGmbH, welche ebenfalls wöchentlich zu uns in
die Reitstunde kommt, tätig.
Die
Pferde -
Anforderungen an sie und
an die äußeren Bedingungen des heilpädagogischen Reitens

Schecke (1983, Irischer Tinker), Stjerne (1989, Schottisches Highland Pony), Moritz (1989, Shetty), Kelly (1988, Irische Tinker), Mon Cherie (1996, Westfale) und die freche Annabel ( 1996, Haflingerin) sind die tragenden Pfeiler und der Mittelpunkt des heilpädagogischen Reitens und Arbeitens mit dem Pferd.
Sie bieten verschiedene Charaktere und Gänge, Größen und Farben. Sie leben als Herde auf großen, ungedüngten Weiden mit großzügigen Stallungen und atemberaubender Weitsicht in die Rhön am Rande des kleinen Dörfchens Oberstoppel. Ihrem natürlichen Bewegungsdrang, ihrem Bedürfnis nach Geselligkeit und nach Luft, Licht, Sonne, Wind und Wetter, Schubbergelegenheiten und artgerechter Nahrung können sie so jederzeit nachkommen.
Für das heilpädagogische Reiten sind ausgeglichene und charakterlich einwandfreie Pferde unabdingbare Voraussetzung. Sie müssen zwar gehorsam sein, dürfen aber nicht ihr arteigenes Verhalten verlieren. Denn das natürliche Sozialverhalten des Pferdes ist - neben seiner takt- und schwungvollen Bewegung- die Basis unserer Arbeit. Deshalb orientieren wir uns ebenso wie bei den Menschen, die zu uns kommen, an den jeweiligen Fähigkeiten des einzelnen Pferdes und setzen auf seine freiwillige und partnerschaftliche Mitarbeit . Wir beachten die Rechte und Bedürfnisse unserer Pferde und akzeptieren auch ihre individuellen Grenzen.
Das heilpädagogische Reiten findet da statt, wo die Pferde leben: draußen. Die Sinnesreize, die eine natürliche Umgebung, Wind und Wetter gewährleisten, sind basal und wir setzen sie bewusst mit ein.
Ubsere Therapiepferde sind sowohl vom Boden als auch unterm Reiter vielseitig und solide ausgebildet und werden laufend weiter geschult. Sie sind bzw. werden in der Signalreitweise ausgebildet, so dass sie auf leicht erlernbare Zeichen reagieren. So können sich auch Menschen mit geringen Einwirkungsmöglichkeiten dem Pferd verständlich machen und das selbständige Reiten erlernen.
Die anderen Tiere
Auch die anderen Tiere sind nicht zufällig hier. Sie tragen zur Atmosphäre auf dem Hof bei und ermöglichen Kindern und Erwachsenen eine Reihe neuer Erfahrungen. Im Laufe meiner Arbeit haben wir erfahren, dass nicht nur die Pferde ein ungeheures Entwicklungspotential bieten, sondern für viele Menschen die anderen Tiere und die natürliche Begegnung mit Ihnen ebenso wichtig ist. Wir kommen daher immer mehr dazu, das Reiten in den Hintergrund und den Umgang mit den Tieren in den Vordergrund zu stellen.